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Die
Handlung
Die Enterprise umkreist einen
unbekannten Planeten einer alten Sonne. Von dem Planeten gehen
Zeitverwerfungen aus, die das Schiff immer wieder
durcheinanderschütteln. Dabei explodiert eine Konsole, und Sulu wird
verletzt. Dr. McCoy injiziert ihm etwas Cordrazine, ein Stimulans,
das Sulus Leben rettet, doch überdosiert fatale Auswirkungen hat.
Bei einer weiteren Zeitverwerfung injiziert sich McCoy ungewollt
eine Überdosis. In seinem folgenden Wahnanfall glaubt er, daß alle
ihn umbringen wollen. Er rennt von der Brücke zum Transporterraum
und beamt sich auf den Planeten. Der Transporter war auf das Zentrum
der Zeitverwerfungen eingestellt. Kirk folgt ihm mit einem
Landekommando, bestehend aus Spock, Uhura, Scotty, Lt. Galloway und
einer weiteren Wache. Sie materialisieren in den Ruinen einer Stadt
und finden einen Ring aus Stein, der zum Leben erwacht und mit ihnen
spricht.
Dieser Ring ist der Guardian of Forever, der Wächter der
Ewigkeit. Im Inneren des Rings läuft wie in einem Film die ganze
Geschichte der Erde ab. In diesem Moment rennt McCoy, der sich vor
dem Landeteam versteckt hatte, durch den Guardian und verschwindet.
Er befindet sich jetzt in der Vergangenheit. Und in diesem Moment
hört die Enterprise auf zu existieren, so als hätte es sie nie
gegeben. Dr. McCoy hat irgendwie den Lauf der Geschichte verändert,
und das ist nun das Resultat.
Um die Geschichte zu korrigieren, beschließen Kirk und Spock,
McCoy in die Vergangenheit zu folgen. Sie landen in einer
amerikanischen Stadt in den wirtschaftlichen Depressionen der 30er
Jahre, etwa eine Woche, bevor McCoy ankommt. Die beiden fallen mit
ihrem Outfit natürlich auf, und daher stiehlt Kirk von einer
Wäscheleine einige Kleidungsstücke. Dabei wird er prompt von einem
Polizisten erwischt. Spock erledigt ihn mit seinem Nackengriff, und
die beiden flüchten in einen Keller, wo sie sich umziehen. Von oben
kommt eine Frau, Edith Keeler, herunter. Sie leitet die 21.
Straßenmisson und vermittelt den beiden Arbeit und ein Zimmer.
Am Abend essen sie mit den Obdachlosen im Speisesaal und hören
dabei eine Rede Edith Keelers, die davon handelt, daß eines Tages
der Mensch neue Kräfte erschließen und auch in den Weltraum
vordringen wird. Tagsüber nehmen Kirk und Spock jetzt jede Arbeit
an, um Geld zu verdienen, damit Spock sich Bauteile kaufen kann, die
er zum Bau eines primitiven Computers benötigt. Mit seinem Tricorder
hat Spock die Geschichte, die im Steinring des Guardians gezeigt
worden ist, aufgezeichnet und will nun mit Hilfe des Computers
herausfinden, wo McCoy in den Verlauf der Geschichte eingegriffen
hat. Sie entdecken einen Mann, der Uhren repariert. Sein Werkzeug
ist genau das, was Spock braucht, und am Abend knackt er das
Zahlenschloß der Truhe, in dem es sich befindet. Sie werden dabei
von Edith ertappt, die anschließend bemerkt, daß die beiden
irgendwie nicht hierher gehören. Kirk nimmt Edith dann mit auf einen
Spaziergang, und ihre Gespräch dreht sich wieder um die Zukunft.
Inzwischen hat Spock erste Ergebnisse. Einmal findet er auf
seinem Bildschirm eine Zeitungsseite, auf der Edith Keelers Nachruf
steht, da sie bei einem Unfall ums Leben kam. Später findet er eine
andere Zeitungsseite von 6 Jahren in der Zukunft, in der Edith mit
dem Präsidenten der USA über die Einmischung Amerikas in den 2.
Weltkrieg diskutiert. Nur eine der beiden Zeitlinien kann stimmen,
ja nachdem, was McCoy unternimmt. Entweder er ist für Ediths Tod
verantwortlich, oder er rettet ihr das Leben.
In den nächsten Tagen arbeitet Spock weiter und stellt fest, daß
McCoy Ediths Leben gerettet hat bzw. retten wird. In den nächsten
Jahren wird Edith sehr populär und startet eine Friedensbewegung,
die die Einmischung der USA in den 2. Weltkrieg verhindert. Das gibt
Hitler die Zeit, die Atombombe fertig zu entwickeln, und er gewinnt
dadurch den Krieg.
Als Auswirkung dessen wird es die Föderation und die Enterprise
niemals geben. Damit der Fluß der Zeit wieder stimmt und Millionen
von Leben nicht umkommen, muß Edith Keeler sterben. Doch Kirk
gesteht Spock, daß er sich in Edith verliebt hat.
Inzwischen kommt McCoy in der Vergangenheit an. Er ist noch in
seinem Wahn, hält dies alles für eine perfekte Illusion und wird
ohnmächtig. Am Morgen stolpert McCoy in die Mission und wird von
Edith versorgt. Im Laufe des Tages wird McCoys Geist wieder klar.
Spock erinnert Kirk noch daran, daß Edith sterben muß. Am Abend geht
Kirk mit Edith über eine Straße, und Edith bittet ihn, sich zu
beeilen, damit sie den Clark Gable-Film nicht verpassen. Kirk kennt
Clark Gable nicht, was Edith amüsiert, denn Dr. McCoy erging es
genauso. Kirk horcht auf - McCoy? Er rennt zur Mission zurück, wo
Spock und kurz danach auch McCoy zur Tür herauskommen. Edith folgt
Kirk und sieht den Lastwagen nicht, der auf sie zukommt. McCoy rennt
los, um Edith zu retten, doch Kirk hält ihn fest. Das Schicksal
nimmt seinen Lauf, und Edith wird von dem Lastwagen getötet.
Die drei Männer kehren in die Zukunft zurück, wo die anderen vom
Landetrupp auf sie warten. Kirk und Spock waren nur einen Moment
lang fort. Die Enterprise existiert wieder, und der Landetrupp wird
zurückgebeamt.
Besprechung
Die Geschmäcker der ST-Fans sind verschieden, doch in allen
Umfragen über die Lieblingsfolgen wurde "The City on the Edge of
Forever" eindeutig Sieger. Keine andere Folge wird so sehr geliebt.
Dafür gibt es so viele Gründe, wie es Fans gibt. Hier nur einige der
Gründe:
Die Folge ist eine klassische Tragödie. Kirk, der Held, gerät
unverschuldet in einen Konflikt, aus dem es kein Entkommen gibt. Die
Folge ist nicht unbedingt Science Fiction, sondern die Betonungen
liegt auf dem Menschlichen.
Kirk Liebesbeziehung ist nicht so, wie seine anderen
Husch-Husch-Affären, die auch genauso schnell wieder vorbei sind.
Kirk ist nicht nur in Edith verliebt - er liebt sie. Die Beziehung
entwickelt sich im Laufe einer Woche (das ist ungewöhnlich für Star
Trek, da es sonst meist Liebe auf den ersten Blick ist), und das
Sexuelle tritt dabei nicht in den Vordergrund. Tatsächlich gibt es
gerade eine einzige Szene, in der sie sich küssen.
"The City on the Edge of Forever" ist in der Tat eine
außergewöhnliche Episode. Es ist kaum vorstellbar, daß sich soviel
Stoff in 48 Minuten verpacken läßt. Zum einen sehen wir wieder
einmal die Erde des 20. Jahrhunderts, was sich in Star Trek immer
gut macht, dann die Verwicklungen mit dem gestörten Lauf der
Geschichte und schließlich noch Kirk und Edith.
Auch der Guardian of Forever wurde im Fandom sehr populär. Es
gibt viele Geschichten über ihn. Viel weiß man nicht über den
Guardian. Er ist sowohl eine Maschine als auch ein Lebewesen - und
doch keines von beidem. Er ist auch mehr als eine Zeitmaschine, was
sowohl der Name andeutet als auch die Zeitverwerfungen, die von ihm
ausgehen. Ann C. Crispin benutzt den Guardian wieder für ihre beiden
Romane "Yesterday's Son" und "Time for Yesterday". Im letzteren
erscheinen auch die Schöpfer des Guardians. Desweiteren erscheint
der Guardian auch in der Zeichentrickepisode "Yesteryear", in der
Spock damit eine Zeitreise in seine eigene Kindheit auf Vulkan
unternimmt.
Natürlich birgt die Vergangenheit wieder einmal Probleme für
Spock, besonders für seine Ohren. Aus diesem Grund stiehlt Kirk die
Kleider, darunter eine Strickmütze für Spock. Seltsamerweise kommen
Polizisten in Star Trek nicht gut weg: Entweder werden sie auf die
Enterprise gebeamt oder von Spock lahmgelegt. In "The City on the
Edge of Forever" redet Kirk dem Polizisten davor noch ein, daß Spock
ein Chinese sei und als Kind mit seinem Kopf in einen automatischen
Reispflücker geraten wäre. Vor Edith kann Spock seine Ohren
verbergen. Dennoch bemerkt sie den besonderen Flair, der die beiden
umgibt. Sie stellt fest, daß Spock schon immer an Kirks Seite
gehört, als wäre er schon immer dort gewesen. Und Kirk gehört in
eine andere Welt, in die Zukunft. Edith hat anscheinend eine Art
Voraussicht in die Zukunft. Da ist es eigentlich kein Wunder, daß
die beiden zusammenfinden. Wegen ihrer positiven Einstellung zur
Zukunft wird Edith von vielen belächelt, doch Spock stellt fest:
"Sie hatte recht, nur zur falschen Zeit."
Diese Episode zeigt auch viel von der Beziehung zwischen Kirk und
Spock. Spock hat Verständnis für Kirks Lage, aber logisch, wie er
ist, stellt er fest, daß Edith sterben muß. Er berät Kirk, und der
Captain kann sich Spock anvertrauen, doch die Entscheidung läßt er
Kirk treffen. Und das ist eigentlich der Idealtyp eines Freundes. Es
ist auch bezeichnend, daß Edith genau in dem Moment stirbt, in dem
McCoy auftaucht und das Triumvirat somit wieder vereint ist.
Mit der Zeitreise hat die Folge ein brisantes Thema aufgegriffen,
einiges bleibt und ist auch unklar. Wenn die Enterprise
verschwindet, müßte eigentlich auch der Landetrupp verschwinden, und
auch McCoy, da es sie dann ja nie gegeben hätte. Es gibt aber
Theorien, daß der Landetrupp so nahe am Guardian steht, daß er in
einer Art Schutzfeld ist und daher nicht beeinflußt wird.
Wäre McCoy nicht in die Vergangenheit geraten, wären Kirk und
Spock ihm nicht gefolgt. Dann hätten sie auch nie Edith
kennengelernt, und Edith wäre mit Kirk nicht über die Straße zum
Kino gegangen. Dann wäre sie auch nie Kirk wieder über die Straße
gefolgt und vom Lastwagen überfahren bzw. von McCoy gerettet worden.
McCoy konnte also nur ihr Leben retten, weil Kirk und Spock da
waren, doch die beiden sind nur gekommen, um McCoy zu finden. Ein
klassisches Zeitparadoxon nach dem Motto: Was geschieht, wenn ich
meine Großmutter umbringe, bevor meine Mutter geboren wird? Damit
die Enterprise verschwinden kann, muß (vielleicht ein anderer?) Kirk
schon einmal in der Vergangenheit gewesen sein, der Kirk nicht daran
gehindert hat, Edith zu retten. Es besteht natürlich die
Möglichkeit, daß McCoy Edith unabhängig davon bei einem anderen
Unfall gerettet hat und dieser Unfall gar nicht der entscheidende
war, sondern ein zufälliger, aber dies ist eher unwahrscheinlich.
"The City on the Edge of Forever" hat 1986 den internationalen
Hugo Science Fiction-Award gewonnen. Dennoch war Harlan Ellison
stocksauer, als er sah, was aus seinem ursprünglichen Drehbuch
geworden ist, da diese Folge drastisch umgeschrieben wurde.
Eigentlich war es ein Crewmitglied namens Beckwith, der an Bord der
Enterprise mit Drogen handelte und in die Vergangenheit flüchtete.
Es war auch nicht Kirk, sondern Spock, der Beckwith daran hinderte,
Edith zu retten. Nach Ellison hat auch die Liebesbeziehung viel von
ihrem ursprünglichen Reiz verloren. Es war auch seine Originalstory,
die den Hugo Award erhielt und nicht die gedreht Episode. Harlan
Ellison schrieb 1995 ein Buch mit dem Titel "The City on the Edge of
Forever" über die Entstehung dieser Folge und die Probleme, die es
damit gab. Seine Originalgeschichte ist in dem Buch "Six Science
Fiction Plays", herausgegeben von Roger Elwood, bei Pocket Books
erscheinen.
James Blish hat die Originalstory in seiner Adaption (Band 2)
berücksichtigt und hat nach seinen eigenen Worten für die Adaption
das beste beider Fassungen berücksichtigt.
Als am Ende der Landetrupp incl. McCoy auf die Enterprise
zurückkehrt, sieht man sieben Leute entmaterialisieren, obwohl
eigentlich nur maximal sechs Leute auf einmal gebeamt werden können
(siehe "The Apple").
Joan Collins gehört inzwischen zu den Hollywood-Größen und ist
als Denver-Hexe Alexis wohlbekannt. John Harmon ist wieder in "A
Piece of the Action" als Tepo, einer der Bosse auf Iota, zu sehen.
Lt. Galloway erscheint noch einmal in "The Omega Glory", wo er dann
getötet wird.
Der Guardian-Planet ist in dieser Folge namenlos, doch später
wird er "Time Planet" oder auch "Gateway" genannt. Das
Planetenmodell wird in keiner anderen Folge wiederverwendet. Es ist
eine gelb-graue Kugel mit hellen Stellen, die wie Gebirge
erscheinen.
Der Titel der Episode ist sehr doppeldeutig: Zum einen ist die
Stadt am Rande der Ewigkeit die Ruinenstadt um den Guardian herum,
der das Tor zur Ewigkeit darstellt, zum anderen ist es die Stadt, in
der Edith Keeler lebt, da sich hier der weitere Ablauf der Zeit
entscheidet.
Die Musik von Alexander Courage enthält bei den Szenen auf dem
Planeten die üblichen ST-Melodien, doch die Szenen in der
Vergangenheit enthalten eine andere Musik, die dem Stil dieser
Epoche angepaßt ist und in keiner anderen Episode verwendet wird.
Das Lied "Good Night, Sweetheart", das in einer Szene aus dem
Lautsprecher in einem Radiogeschäft tönt, wurde aus
urheberrechtlichen Gründen in der Videofassung durch ein anderes
ersetzt.
Bantam Books eröffnete mit "The City on the Edge of Forever" die
Reihe seiner Fotoromane, die deutsche Fassung von Bastei-Lübbe trägt
den Titel "Die Stadt am Rande der Ewigkeit". Auch die TV-Zeitschrift
Gong brachte einen Fotoroman heraus ("Gefangen in der
Vergangenheit"), bei dem aber aus urheberrechtlichen Gründen der
Kopf von Edith Keeler durch den einer anderen Schauspielerin ersetzt
und Edith Keeler in Eva Light umbenannt wurde.
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