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2.Etappe 23.08.2006 Saintes-Maries-de-la-Mer à Carnon 45 km (Karte)Am dritten Tag sind wir das erste Mal von der Routenführung des Bikeline Radatlas abgewichen, um Montpellier zu besuchen. Der Weg führte diesmal über weitgehend wenig befahrenen Straßen entlang des Mittelmeeres, vorbei an Salzfeldern, der mittelalterlichen Stadt Aigues-Mortes, durch die wenig attraktiven Hotelsiedlungen von Le-Grau-du-Roi und La-Grande-Motte, bis hin nach Carnon, welches 10 km vor Montpellier liegt. Am nächsten Tag sind wir mit dem Bus nach Montpellier gefahren und haben uns diese 250.000 Einwohner zählende Stadt angeschaut. Montpellier ist sicher eine Reise wert, jedoch unterscheidet sie sich kaum von anderen französischen Großstädten. 3.Etappe Freitag 25.08.2006 Carnon à Gallician 44 km (Karte)
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Der fünfte Tag führte uns entlang der Bikeline-Route durch den Ort Vauvert, in dem wir uns ordentlich verfahren haben und der Weg zum nächsten Ort nur über eine hässliche Kiesstraße führte. Kurz danach kommt man in die Großstadt Nimes, in der wir uns intensiv das Kolosseum und einen alten Römertempel „Maison Care“ angeschaut haben. Nimes die römischste aller französischen Städte hat jedoch mit einer sehr schönen Altstadt noch viel mehr zu bieten. Das Gelände bekam jetzt wesentlich mehr Kontur, was man natürlich auch in den Beinen spürte. Unsere Tour endete diesen Tag nicht in Nimes sondern am Pont-du-Gard, einem vor über 2000 Jahren über ein Tal gebautes Aquädukt. Hierfür war es jedoch wiederum nötig die Bikeline-Route gen Norden hin zu verlassen. Doch um das Pont-du-Gard zu sehen, war es den Umweg wert.
Am nächsten Tag war unser Ziel Avignon. Der Weg dahin führte uns über ruhige Straßen und welliges Gelände bis hin zur Rohne. Wir drangen von Südwesten in die Stadt ein. Der alte Stadtkern ist von einer gewaltigen Stadtmauer umgeben, nach dieser erlebt man eine der beeindrucken Städte Frankreichs.
Avignon die Stadt der Päpste, wie sie auch von vielen genannt wird, erhielt ihren Namen von den 70 Jahren (1324 -1379) in denen Avignon Papstsitz war. In dieser Zeit bekam Avignon sein heutiges Gesicht. Der beeindrucken Bau ist der Papstpalast selbst.
Die Zeltplätze in Avignon befinden sich am westlichen Ufer der Rohne, keine 800 m vom Stadtzentrum entfernt. Um wieder aus Avignon hinaus zu kommen, empfiehlt der Bikeline Radatlas die Bahn zu nehmen, doch wenn man ein wenig stressresistent ist, gelingt es einem auch auf den sehr stark befahrenen Hauptstraßen die Stadt nach 20 Minuten zu verlassen. Genau das haben wir auch am nächsten Morgen getan.
Das Ziel dieser Etappe lag unweit des Mont Ventoux, Pernes-les-Fontaines. Eine beschauliche kleine Stadt die durch ihre 45 Brunnen und Wasserstellen touristische Berühmtheit erlangte. Auf dem Weg dahin, lohnt es sich Carpentras anzuschauen. Diese 6.Etappe war schon sehr hügelig. Immerhin liegt Carpentras 100 Höhenmeter über Avignon. Die Landschaft wird nun noch markanter.
(Ein kleiner Tipp zwischendurch: Nirgendwo in Frankreich sind Campinggasflaschen mit Gewinde auszutreiben, es gibt nur welche zum Klicken. So ist es uns jedenfalls gegangen. Zum Glück hat unsere bis zum Schluss gereicht.)
In Pernes-les-Fontaines befindet sich der Zeltplatz am Stadtausgang Richtung Gordes, hinter einem Sportgelände. Er ist recht günstig und gemütlich, jedoch kann man auf ihm nur Bar bezahlen. Hier haben wir auch zum ersten Mal unsere Sachen mit der Waschmaschine gewaschen, welche es übrigens auf fast jedem Zeltplatz in Frankreich gibt.
Am nächsten Morgen erfolgte der Start zur ersten "Bergetappe". Innerhalb von 9 km ging es immerhin 500 Höhenmeter rauf, auf das Plateau de Vaucluse, einer der unzähligen Höhenzüge von Dehnen die Provence im Norden durchzogen wird.
Für mich eine der schönsten Etappen überhaupt, der ständige Blick auf den Mont Ventoux, die Weinberge, die steil ansteigenden Felsformationen und die herrliche Aussicht machen diese Etappe zu einer ganz Besonderen.
Kurz vor dem Gipfel wurden wir hier von einer dreier Gruppe Hunden zunächst eingekreist und dann über 1 km verfolgt. Am Anfang war es ja noch lustig, jedoch stellt man sich nach einer Weile die Frage, wie lange die noch einem hinterher rennen wollen. Nachdem erste Versuche gescheitert waren diese zu verscheuchen, gelang es mir mit lauten BUUH Geräuschen zunächst die Gruppe zu teilen und dann auch den Letzten zum Aufgeben zu bewegen.
Auf der Abfahrt vom Plateau de Vaucluse erreicht man zuerst das Postkartenmotiv der Provence schlechthin, das Kloster Senanque. In dass man übrigens nicht mit Fahrradbekleidung reinkommt. Man sollte lange und nicht enganliegende Bekleidung mitbringen, wenn man es sich von innen anschauen möchte (ca. 6 Euro pro Nase).
Wer gedacht hätte, dass auf der „Abfahrt" vom Plateau keine Berge mehr auf einen lauern, lag falsch. Denn vom Kloster muss man zwangsläufig wieder rund 150 Höhenmeter rauf, um sich dann endgültig in die Abfahrt zu begeben. Dafür wird man nach ein paar Kilometern mit einer der herrlichsten Aussichten belohnt, die ich je zuvor gesehen hatte. Nicht nur die kleine Stadt Gordes, sondern auch die vielen kleinen Ortschaften am Fuß des Luberon, sind allein schon den Aufwand wert sich über das Plateau de Vaucluse zu quälen.
Die Abfahrt vom Plateau de Vaucluse ist sehr lang, circa 15 km geht es stetig bergab. Daher entschlossen wir uns an diesem Tag nicht wie zuerst geplant am Fuß des Luberon zu übernachten, sondern noch 10 Kilometer weiter nach Cavallion zu fahren, um dort zu übernachten. Cavallion ist nicht sonderlich interessant, laut, schmutzig und sehr unübersichtlich für Fahrradfahrer. Auch der Zeltplatz ist nichts besonderes und eher unterstes Niveau. Es war sicher der schlechteste Zeltplatz auf dem wir während unserer ganzen Reise übernachtet haben, dafür aber auch mit knapp 10 € für uns beide, der Billigste.
Schon am Abend dieses 29. August war der Mistral wiedereinmal deutlich zu spüren. Was sich aber über Nacht abspielte, machte mir schon etwas Angst, und ich konnte verstehen, warum die Zahl an depressiven Menschen in diesem Landstrich so hoch ist. Innerhalb von ein paar Stunden war aus einem lauen Lüftchen ein ordentlicher Sturm geworden. Welcher sogar so stark blies, dass ich während der gesamten Nacht kein Auge zutat. Zum Glück ist nichts auf unser Zelt gestürzt.
Auch am nächsten Morgen (übrigens der Geburtstag von Kristin) hatte sich dieser starke Mistral nur unwesentlich abgeschwächt. Das Ziel unserer vorletzten Etappe lag nur 25 km von uns entfernt St-Remy-de-Provence. Der Weg von Cavallion nach St-Remy-de-Provence führt über weit gehend dünn befahrene Straßen, hier haben wir uns natürlich wieder an den Bikeline Radatlas gehalten. Doch der starke Mistral, der sich erst am Abend abschwächen sollte, machte uns den ganzen Tag über Probleme. Er war mehr ein Seitenwind und konnte das Fahrrad mit Leichtigkeit auf der Straße versetzen, was jedoch nur selten passierte. Aufgrund der vielen Hecken, wie es in diesem Teil Frankreichs einfach an jeder Straße gibt, konnte man den Großteil des Wegs auch ohne diesen lästigen Seitenwind befahren. Schon nach einigen Kilometern Richtung St-Remy-de-Provence tauchen im Südwesten die Allpilles auf, über die uns die letzte Etappe führen sollte. St-Remy-de-Provence ist ein herrliches kleines Städtchen, typisch Provenzalisch. Viele kleine Gässchen in einem sehr überschaubaren Stadtkern. Viele Ateliers, kleine Geschäfte und Restaurants säumen die Gassen. Campingplätze gibt es auch in St-Remy-de-Provence ausreichend in vernünftiger Qualität. Am Abend bietet sich ein Besuch in einem der kleinen feinen Restaurants der Stadt an, welchen wir auch nicht entsagen konnten.
Auf zur letzten Radetappe. Natürlich mussten wir uns wieder erstmal verfahren, bevor wir den richtigen Weg hinaus aus St-Remy-de-Provence fanden. Es ist irgendwann sehr ärgerlich, dass man aufgrund der mangelnden Beschilderung und des teilweise einfach schlecht gemachten Bikeline Radatlas, sich nie so richtig sicher sein kann, ob man wirklich richtig ist.
Naja, 3 km nach der Stadt beginnt schon der Anstieg hinauf zu den
Alpilles. Es sind zwar nur knappe 280 Höhenmeter doch sind diese
auf dreieinhalb Kilometer zu überwinden. Mich brachten die 40
Kilo Gepäck gerade an den teilweise 12% steilen Stücken
ganz schön ins Schwitzen.
Doch bin ich auf jeden Fall froh
diesmal den Hänger (Bob) genommen zu haben und nicht wie im letzten
Jahr mich auf Gepäcktaschen zu verlassen. Gerade bergauf hat der
Hänger doch erhebliche Vorteile im Handling gegenüber den
althergebrachten Gepäckstaschen.
Oben auf den Alpilles wird man
wieder mit einem herrlichen Blick über die gesamte Provence für
die Strapazen entschädigt. Nur allein für solche Ausblicke
wie wir sie von den Alpilles aus genießen konnten hat sich
diese Radtour schon gelohnt. Auf der Abfahrt kommt man auch an
einigen Sehenswürdigkeiten vorbei, die man sich vielleicht nicht
entgehen lassen sollte. Die Kirche welche in den Fels geschlagen
wurde beziehungsweise in einem Höhlensystem angelegt wurde, ist
sicherlich sehr imposant und spektakulär, jedoch waren mir
knappe sieben Euro Eintritt einfach zu viel. Wieder eine Stadt
(Les-Baux-de-Provence) auf einem Berg gebaut - einfach nur toll.
Vom Fuß der Alpilles führt der Bikeline Radatlas noch ein wenig quer durch die Landschaft, zum Ausgabgspunkt nach Arles zurück. Circa 12 km vor Arles gibt es noch ein kleines Highlight zu sehen. Mitten aus dem Nichts erscheint ein verfallenes Aquädukt, einfach so mitten in der Landschaft. In Deutschland hätte man schon längst ein Museum daraus gemacht beziehungsweise es weiträumig eingezäunt. In der Provence ist es scheinbar nichts Besonderes. Kurz nach diesem Aquädukt bogen wir von der Bikeline Route Richtungen Süden ab, um direkt auf den Zeltplatz zu zusteuern, auf dem wir unser Auto abgestellt hatten. Dazu musste man noch einen kleinen Höhenzug (40 Höhenmeter) überwinden, um dann durch ein quadratisch angelegtes Straßensystem, irgendwann zu unserem Zeltplatz zurückzugelangen. Zwar kannte uns die Zeltplatzinhaberin nicht mehr (es war ja auch schon 10 Tage her), doch als ich sie fragte, ob mein Auto immer noch auf Platz 16 steht, fiel es ihr wohl wieder ein. Glücklicherweise stand mein Auto auch immer noch auf Platz 16.
Am Abend haben wir uns noch Arles angeschaut. Diese Stadt allein ist schon eine Reise wert. Besonders Vincent van Gogh-Freunde werden in dieser Stadt auf ihre Kosten kommen. Hier lebte der Maler viele Jahre und malte unter anderem das Bild „Café bei Nacht". Dieses Café mussten wir uns natürlich unbedingt einschalten. Worauf ich gleich hinweisen muss: Die Preise sind hier viel zu hoch.
Nachdem wir noch eine Nacht auf dem Campingplatz verbracht haben,
ging es wieder nach Hause. Ich empfehle, einen kleinen Umweg über
die Hauptstadt der Provence - Aix-en-Provence - zu nehmen und
sich diese anzuschauen. Genauso haben wir es nämlich gemacht.
Aix-en-Provence ist wiederum ganz anders als alle Städte, die
wir zuvor in Südfrankreich gesehen hatten. Viele Menschen, viele
Geschäfte irgendwie ziemlich geschäftig eben, aber doch
sehr schön.
Wer noch etwas anderes von der Provence sehen
möchte, empfehle ich den Weg von Aix-en-Provence gen Norden nach
Hause zunehmen. Zum einem, unterscheidet sich die Landschaft nördlich
von Aix-en-Provence wiederum gänzlich von der derer die wir
vorher gesehen haben. Zum anderen fährt man auf diesem Weg
(Route de Napoleon) mitten in die Alpen, die natürlich auch ihre
landschaftlichen Reiz besitzen. Wir haben diesen Weg quer durch die
Alpen gewählt, natürlich ist dieser wesentlich
zeitaufwendiger, als wenn man über Lyon wieder zurückfährt,
doch ist er natürlich ungleich schöner. Aufgrund der langen
Fahrstrecke empfiehlt sich ein Zwischenstopp z.B. in Annecy kurz vor
der Schweizer Grenze.
Bei Interesse von noch mehr detaillierten Informationen bitte ich um eine kurze Mail. Ich bin dann gern bereit auch telefonisch Auskunft zu geben.